Schornsteinfeger - Ein Relikt aus dem Mittelalter

Vom Mittelalter zur Neuzeit mit eigenartigen Geschäftspraktiken?

Impressum

Glauben Sie an das Märchen vom Glücksbringer ?



Historisches


von 14xx bis 1935 (14xx --> Jahr nicht genau bekannt)

Kaminkehrer berufen sich gerne auf das Mittelalter um ihre Geschäftspraktiken zu rechtfertigen. Im folgenden sollen daher Beispiele aus dem Mittelalter und der jüngeren Vergangenheit aufgeführt werden. Sie zeigen Fälle in denen der Kaminkehrer Pech gebracht hat oder auch nur unbeliebt war.


  • 14xx : ... "Durch die Gassen zogen Hausierer und Korbmacher, Lumpensammler und Kesselflicker, Kaminfeger und Abdecker, ..."
    14xx : Im Gegensatz zum Märchen "vom im Mittelalter beliebten Kaminfeger"

  • 15xx : ... "Ein Schornsteinfeger namens Wilhelm Bast, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Wolbeck niederzubrennen, fiel selbst dem Flammentod zum Opfer." ...
    15xx : Schornsteinfeger spielt mit dem Feuer

  • 1743 : Unbeliebt: "Er stand ganz auf der niederen Stufe der Totengräber und Abdecker, deren Gewerbe er zeitweise mit ausübte. Bis 1743 war er auch in der Grafschaft Mark der staatliche Schornsteinfeger."
    1743 : Man mied seinen Verkehr

  • 1788 : ... "Waisenkinder kamen oft schon als Zehn- und Zwölfjährige zu einem Schornsteinfeger in die Lehre. ... Bericht von 1788, daß viejährige Kinder durch Schornsteine von unglaublicher Enge hinaufgeprügelt wurden, während die Kamine geheizt waren."
    ( Tippfehler im Original-Text: richtig : vierjährige )
    1788 : Brachte der Schornsteinfeger Kindern den Tod?

  • 18xx : "Der kleine Schornsteinfeger" ( 1949 Oper: Benjamin Brittens ) : Stück auf die Bühne, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist und zunächst von Kinderarbeit handelt. Sein Besitzer will ihn als Werkzeug einsetzen - als kleinen Schornsteinfeger, der durch die engen Schlote passt.

  • 1838 : Oliver Twist ( Dickens Charles ) : "Oliver sollte einem Kaminkehrer übergeben werden der die 5 Pfund gut gebrauchen konnte und überdies immer wieder unterernährte Jungen benötigte" ... . "Was diese Kinder in dem einen oder anderen Fall das Leben kostete" ... .
    Oliver Twist
    Oliver Twist : Drittes Kapitel

  • 1810/1811: Preußen: Im Edikt zur Gewerbefreiheit wurde der Zunftzwang aufgehoben. Damit wurde ein erster gesetzlicher Versuch unternommen, die Kartell-Bildung durch die Zünfte aufzuheben. Da es zur dieser Zeit noch keinen Gesamtstaat "Deutschland" gab, sei hier Preußen aufgeführt.

  • 1845: Am 17.01.1845 wurde die Allgemeine Gewerbeordnung in Preußen erlassen. Durch die Gewerbefreiheit wurde es den Zünften untersagt Gebiets- und Angebotskartelle zu bilden. (Gegenüber 1810/1811 tratt aber schon eine erste Verwässerung ein: Gewerbeordnung verlangt wieder für über 40 Gewerbe den Befähigungsnachweis (Meistertitel) und gestattet die Bildung freiwilliger Innungen.).

    Da es einerseits den modernen "Gesamtstaat" mit seiner Bürokratie und den Machtmitteln noch nicht gab und anderseits die Industralisierung noch zu zusätzlichen Umbrüchen führte war das Gesamtbild diffuse. Eine detailierte Untersuchung der Handwerks- und Gewerbepolitik findet sich in der Dissertation : Barhan-1999 ( pdf - Dokument ). Ebenfalls lesenswert: Gewerbefreiheit

  • 18xx : Die schwarzen Brüder ( Lisa Tetzner ) : Die Kinder mußten als lebende Besen durch die finsteren Kamine klettern und mit den nackten Händen den Ruß herabwerfen.
    Buch und Fernseh-Film.
    Die schwarzen Brüder

  • 18xx : ... "Später, Ende des 18. Jahrhunderts, wußte so manche Familie keinen anderen Weg aus der Not, als ihre eigenen Kinder als Kaminkehrer zu „verpachten“ – ein kleines Museum im Ort erinnert an die harte Zeit." ...
    18xx : Haben Schornsteinfeger Kinder gepachtet?

  • 1933 Berlin : Gab es einen Bezirks-Schornsteinfegermeister Wilhelm Heise, der in der Brandnacht, am 28. Feb. 1933 im Reichstag war?
    Wir benötigen für unsere historischen Untersuchungen hierzu Dokumente.
  • ab 1935 : Das Land der Kehrbezirke : Deutschland wurde in Kehrbezirke für Schornsteinfeger eingeteilt (Das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung gab es seit 1933 nicht mehr).



    • 13. April 1935 (RGBl. I S. 508) [BVerfGE 1, 264 (265)] [BVerfGE 1, 264 (266)] wurde § 39 der Gewerbeordnung dahin geändert, daß im ganzen Reichsgebiet Kehrbezirke für Schornsteinfeger eingerichtet werden mußten.

    • 15. April 1935 - (RGBl. I S. 515) Verordnung über das Schornsteinfegerwesen

    • 28. Juli 1937 - RGBl. I S. 831 Verordnung über das Schornsteinfegerwesen

    • 03. August 1937 - Richtlinien des Reichswirtschaftsministers über die bevorzugte Bestellung von Nationalsozialisten als Bezirksschornsteinfegermeister

      (Herfurth Dirk- Gunter, Dipl. Ing.

      Die Einführung d. Schornsteinfegergesetzgebung basiert auf der „ Neu-Gestaltung des deutschen Handwerks ab 1935 “.
      Zur Einführung der Schornsteinfegergesetzlichkeit mit der „Verordnung über das Schornsteinfegerwesen“ v. 28.07.1937 in Deutschland wurden parallel Richtlinien zur Besetzung der Kehrbezirke durch entsprechend regimetreue Schornsteinfegermeister erlassen („Richtlinien des Reichswirtschaftsministers über die bevorzugte Bestellung von Nationalsozialisten als Bezirksschornsteinfegermeister“ -13894/ 37- vom 03.08.1937).

      Ein Ziel der Kehrbezirks- Beleihung war eindeutig die flächendeckende „Betreuung“ der deutschen Bevölkerung durch parteitreue Personen (hier benannt als: „Träger des goldenen Parteiabzeichens, Träger des Blutordens, Mitglieder der NSDAP vor dem 14.09.1930“) die per Gesetz Zugang zu den Wohnungen der Überwachten hatten. Mit dem § 21(3) der Verordnung wurde dem Reichswirtschaftsminister die Ermächtigung erteilt, bevorzugt Mitglieder der NSDAP zum Bezirksschornsteinfeger zu bestellen und der Widerruf der Bestellung erfolgte gem. § 47 Ziffer 10. ebenda bei erwiesener politischer Unzuverlässigkeit. Die Begriffe „Schutz des Lebens“ und „Feuersicherheit“ wurden als Vehikel missbraucht, den Überwachungsvorsatz an die Überwachten zu transportieren.)

    • 22. Januar 1952 BGBl. I S. 75 Gesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens

    • 30. April 1952 BVerfGE 1, 264 - Bezirksschornsteinfeger
      mit geschichtliche Betrachtungen zu den deutschen "Bezirksschornsteinfegermeistern"



  • 1969 Aus der Verordnung von 1937 entstand 1969 fast wörtlich das "Gesetz über das Schornsteinfegerwesen", das nach mehreren Novellierungen noch immer in Kraft ist.


  • 2004 / 2005 7. Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten für den Datenschutz Mecklenburg-Vorpommern 2004/2005

    2 Datenübermittlung nach dem Schornsteinfegergesetz
    ... Er befürchtete, dass Schornsteinfeger Daten rechtswidrig an die Zollbehörden übermitteln.
    ... Der Innungsobermeister teilte mir mit, dass sich die Schornsteinfeger an die Bestimmungen des Schornsteinfegergesetzes (SchfG), insbesondere an dessen § 19 halten. Dort ist festgelegt, dass Schornsteinfeger zur Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben, zur Bekämpfung von Luft-, Boden- und Gewässerverschmutzung, zur rationellen Energieverwendung, zur Bauaufsicht und zur Brandbekämpfung personenbezogene Daten verarbeiten und gegebenenfalls an andere öffentliche Stellen übermitteln dürfen, soweit dies erforderlich ist. In einem Gespräch räumte er jedoch ein, dass Mitarbeiter des Zolls häufig bei den Bezirksschornsteinfegern nachgefragt hätten, ob bestimmte Personen Eigentümer einer Ölfeuerungsanlage seien. Die Schornsteinfeger würden darauf nur mit „ja“ oder „nein“ antworten. Dies betrachtete er noch nicht als eine Übermittlung personenbezogener Daten. ... Dem Innungsobermeister habe ich erklärt, dass bereits die Beantwortung dieser Frage mit „ja“ oder „nein“ eine Übermittlung personenbezogener Daten darstellt, denn es werden Daten über die sachlichen Verhältnisse einer Person weitergegeben (§ 3 Abs. 1 Landesdatenschutzgesetz). § 19 SchfG enthält keine Vorschrift, nach der eine Übermittlung von personenbezogenen Daten für Zwecke der Strafverfolgung zulässig wäre. Ich habe empfohlen, die Bezirksschornsteinfeger darüber zu informieren, dass sie personenbezogene Daten nur übermitteln dürfen, wenn die ersuchende Stelle ihnen eine Rechtsgrundlage – beispielsweise nach dem Sicherheits- und Ordnungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern – mitteilt, nach der sie zur Auskunft verpflichtet sind.


  • 2005 Landesbeauftrage für Datenschutz Baden-Württemberg

    5. Schornsteinfeger als Datenquelle?
    Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg hatte unsere Dienststelle gebeten zu prüfen, ob der Bezirksschornsteinfegermeister in einem von ihm geschilderten Fall befugt bzw. verpflichtet ist, der unteren Wasserbehörde eines Landratsamts im Zusammenhang mit der Ausweisung eines neuen Wasserschutzgebiets personenbezogene Daten der Betreiber von Ölheizungen des gesamten Kehrbezirks zu übermitteln. Die Kernfrage war hier zunächst, ob die Datenübermittlung zur Bekämpfung der Gewässerverschmutzung und damit zur Aufgabenerledigung der unteren Wasserbehörde überhaupt erforderlich ist. Denn nach § 19 Abs. 3 des Schornsteinfegergesetzes darf der Bezirksschornsteinfegermeister personenbezogene Angaben aus seinen Aufzeichnungen an öffentliche Stellen nur dann übermitteln, wenn dies für die Erfüllung seiner Aufgaben, für die Bekämpfung der Luft-, Boden- und Gewässerverschmutzung, für die rationelle Energieverwendung, die Bauaufsicht oder für die Brandbekämpfung erforderlich ist. Diese Voraussetzungen lagen hier jedoch nicht vor. Denn wie sich letztendlich herausstellte, hatte das Landratsamt den Bezirksschornsteinfegermeister lediglich deshalb um die Übermittlung der Daten gebeten, um als Serviceleistung die Betreiber von Ölheizungen auf die mit der Ausweisung eines Wasserschutzgebiets verbundenen Rechtsänderungen hinweisen zu können.

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