Autor Thema: Fortschritt gegen die Schornsteinfeger  (Gelesen 4289 mal)

Ofenfee

  • Gast
Fortschritt gegen die Schornsteinfeger
« am: 14.05.14, 13:40 »
Moin Herr Datko.

Ich verfolge Ihr Forum schon seit einigen Jahren. Immer wieder erstaut mich die Anzahl der Vorfälle rund um das Thema Schornsteinfegerhandwerk.
Ich arbeite seit über sieben Jahren im Kamin- und Schornsteinbau und stelle zunehmend fest, wie einem meine ehemaligen Kollegen einem das Leben schwer machen. Ich habe früher wie so oft üblich meine Runden per Fahrrad durch den Bezirk gemacht. Da ich in einem ländlichen Bezirk gelernt und gearbeitet habe, war ein Großteil der Arbeiten natürlich das Fegen von Feststoffanlagen und deren Verbindungsleitungen. Ebenso hatten wir Kaminöfen im Bezirk. Eben eine richtig gute Arbeit. Man kam Nachmittags nach Hause und sah was man getan hatte. Sicher war auch hier und das Messgerät mit von der Partie. Schon in meiner Ausbildung habe ich den Zweck nicht wirklich verstanden. Erst kommt der Heizungsbauer und überprüft das von ihm eingebaute Gerät und dann kommen wir. Selbst mein Vater, welcher über 30 Jahre Bezirksmeister war, hat diese Arbeit für Blödsinn gehalten.... Kommen wir zurück zum Thema. Wenn mich früher Kunden gefragt haben, wo man einen Kaminofen oder neuen Schornstein kaufen könnte war die generelle Antwort: Natürlich bei einem Ofensetzer und einem Schornsteinbauer.

Damals hatte ich weder Ahnung vom Aufbau eines Kaminofens noch hatte ich handwerkliche Fähigkeiten sowas zu installieren. Wie auch?? Ich wurde als Schornsteinfeger ausgebildet. Ich bin dafür abermals zur Schule gegangen und habe eine weitere Ausbildung abgeschlossen. Hier habe ich nun gelernt, wie man Kamine und Co. installiert und aufbaut.

Heute sehe ich mich täglich mit der Situation konfrontiert, dass meine ehemaligen Schornsteinfegerkollegen in ihrer Funktion als Schornsteinfeger beim Kunden aktiv Schornsteine und Öfen verkaufen, diese selber aufbauen und dann noch selber abnehmen. Soweit mir bekannt ist, hat sich in den letzten Jahren in der Ausbildung der Schornsteinfeger nicht viel verändert. Daher frage ich mich, wieso Schornsteinfeger Öfen und Schornsteine installieren? Bei 90% meiner Kundschaft kommt immer wieder derselbe Satz. Der Schornsteinfeger hat auch schon ein Angebot abgegeben. Hallo? Von Neutralität und korrektem Wettbewerb kann hier doch keine Rede mehr sein, da die Kunden vor Baubeginn verpflichtet sind, den Schornsteinfeger über eine Bauänderung zu informieren.

In einiger Entfernung haben fünf Schornsteinfeger ein Geschäft aufgemacht und vertreiben dort munter Kaminöfen und Schornsteine. Die Abnahme ist hierbei natürlich inbegriffen. Auch das ist eine Rechtsverletzung da Angehörige eines Betriebes keine Abnahmen von Feuerstätten durchführen dürfen.
Ist aber eine geniale Konstellation. Das Kehrbuch dient wirklich als guter Kundenstamm. Man weiß genau wo was angeschlossen ist und hat auch gleich alle Kundendaten parat. Ein Haufen Arbeit gespart. Frustierend.

Ich habe in Ihrem Forum einiges über laufende Verfahren gelesen und mich natürlich auch schon bei anderen Ofenstudios erkundigt. Das ist leider kein regional begrenztes Problem, sondern zieht sich durch die gesamte Bundesrepublik. Ein Kollege von mir hat auch schon diverse Klageversuche gestartet, doch leider verläuft das alles in den lahmen Mühlen der Justiz.

Ich frage daher einfach mal nach dem Stand der Dinge.

Anbei möchte ich Ihnen meine Achtung aussprechen.
Sie kämpfen seit Jahren für eine wirklich notwendige Novellieren der Schornsteinfegergesetze und scheinen nie
die Lust zu verlieren.


Mit freundlichem Gruß

F. Maschke

TWMueller

  • Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1.248
  • Wir sind die Summe vieler Ichs.
    • Profil anzeigen
    • SchornsteinFegerRechts-Reform
Re: Fortschritt gegen die Schornsteinfeger
« Antwort #1 am: 15.05.14, 12:19 »
Besonders interessant an diesem Beitrag ist, dass dieser auch mal das Augenmerk auf den ZWEITEN Aspekt des Schornsteinfeger-SONDER-Rechts richtet. Denn es sind nicht nur die "Kunden", die unter diesem Zwangs-SYSTEM zu leiden haben, es sind eben auch der GEWERBLICHE WETTBEWERB und der TECHNISCHE FORTSCHRITT, die Schaden nehmen.

Dass EINE UND DIE SELBE PERSON gleichzeitig VERWALTUNGS-BEHÖRDE spielen kann und in genau IHREM ZUSTÄNDIGKEITSBEREICH auch GEWERBLICH täig sein darf, widerspricht eigentlich jeglicher STAATLICHEN NEUTRALITÄT.

Und was nutzt es, wenn zwar im SchfHwG festgelegt ist, dass ein Schornsteinfeger, der z.B. einen Ofen verkauft hat, diesen nicht selbst abnehmen darf, solange die NETZWERKE der "schwarzen Zunft" reibungslos funktionieren? "Nimmst Du meinen Ofen ab, nehme ich Deinen Ofen ab." Praktisch können die gesetzlichen Beschränkungen jedoch noch viel eleganter unterlaufen werden. Zumindest aus Hambung und Mainz ist mir bekannt, dass sich Schornsteinfeger zu einer GmbH zusammengefunden haben. Diese GmbH ist (trotz Gesellschafter-Beteiligung der einzelnen Schornsteinfeger) dann ja eine EIGENSTÄNDIGE JURISTISCHE PERSON. Verkauft also die GmbH den Ofen, darf der als Gesellschafter beteiligte Schornsteinfeger diesen anschließend als "bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger" quasi SELBST abnehmen. Auf der Rechnung für den Ofen steht ja die FIRMA DER GMBH, die Abnahme macht die BEHÖRDE der KEHRBEZIRKSVERWALTUNG (bBSF). Dass es sich ggf. jedoch um die SELBE NATÜRLICHE PERSON handelt, merkt ja Keiner.

Man kann an dieser MAUSCHELEI auch prinzipiell gar nichts ändern, außer man schafft das SchfHwG in seiner jetzigen Form KOMPLETT ab. HOHEITLICHE Aufgaben und GEWERBLICHE Interessen müssen bei einer NEUREGELUNG (z.B. als "Feuerstätten-Sicherheitsgesetz" auf LANDES-Ebene) STRIKT und SAUBER GETRENNT werden. Entweder BEHÖRDE oder HANDWERKER.

Kein Mitarbeiter einer ORDENTLICHEN BEHÖRDE dürfte nebenher GEWERBLICH in genau seinem Amtsbereich tätig werden. Was ist eigentlich das Besondere am Beruf der SCHORNSTEINFEGER, dass diese RECHTSSTAATLICHEN Prinzipien hier einfach über Bord geworfen werden?

Die Marktteilnehmer anderer Branchen haben, nachdem die Schornsteinfeger ja seit 2013 angeblich normale Handwerker sein sollen, nunmehr jedoch eine ganze Palette von Möglichkeiten an der Hand, die dem einfachen Hausbesitzer nicht zur Verfügung stehen. Zentral wäre hierbei das UWG (Gesetz gegen den UNLAUTEREN WETTBEWERB) zu sehen. Nutzt ein "bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger" z.B. Daten des KEHRBUCHS für GEWERBLICHE Zwecke, kann dies von Mitbewerbern ABGEMAHNT werden. Im Grund darf ja noch nicht mal der GESELLE des Schornsteinfegers EINBLICK in das KEHRBUCH nehmen, da er ja bei dem HANDWERKSBETRIEB angestellt und NICHT Mitarbeiter der HOHEITLICHEN BEZIRKS-VERWALTUNG ist. Die www.wettbewerbszentrale.de hat bereits eintsprechend einen DATEN-MISSBRAUCH abgemahnt.

Problematisch ist es jedoch auch, wenn ein GEWERBLICHER Schornsteinfeger seine parallele Berufung zum "bevollmächtigten Bezirksschornseinfeger" zur TÄUSCHUNG im RECHTSVERKEHR ausnutzt. Gemeint sind all die Fälle, in denen der "normale" Bürger nicht mehr unterscheiden kann, ob der Schornsteinfeger, der an der Haustür klingelt, denn als HOHEITLICHE BEHÖRDE (bBSF) oder als GEWERBLICHER ANBIETER auftritt. Schon der übliche Zettel "Der Schornsteinfeger kommt", ist eigentlich nach UWG eine UNZULÄSSIGE WERBUNG. Denn OHNE AUFTRAG darf eigentlich kein Schornsteinfeger sein "Kommen" für einen bestimmten Termin ankündigen und so UNZULÄSSIG den Eindruck erwecken, der Bürger sei zu einer DULDUNG der Arbeiten durch genau DIESEN SCHORNSTEINFEGER verpflichtet. Ein klarer Fall für eine ABMAHNUNG, die jedoch nur MITBEWERBER veranlassen können.

Die Zeiten, in denen ALLE vor der scheinbaren "Macht" der Bezirksschornsteinfeger gekuscht haben, sollten schnellstmöglich zu Ende gehen. Vielleicht muss im einen oder anderen Fall auch mal eine "Abnahme" gerichtlich (mit neutralem Sachverständigengutachten) erstritten werden, aber wenn sich niemand traut, den Schornsteinfegern auch mal ERNSTHAFT Konkurrenz zu machen, kann dieses fast "mafiöse" Netzwerk der Brancheninteressen nicht aufgebrochen werden. Die "Kunden" zahlen verängstigt ihr jährliches "Schutzgeld", die Wettbewerber trauen sich nicht in die abgesteckten Claims der Fegerbranche. Wie soll sich da etwas ändern?

Im Schornsteinfeger-SONDER-Recht läuft Einiges ver-kehrt.
Es wird Zeit, dass mehr und mehr MÜNDIGE DEMOKRATEN laut nach REFORMEN rufen und diese notfalls auch gegen die Mauschelei der Politik mit den Wirtschaftsinteressen ERSTREITEN.
Thomas W. Müller
Aktion SchornsteinFegerRechts-Reform

Tel.: 0170 5258679
Mail: AKTUELL BITTE  KEINE MAILS
FORUM: http://sfr-reform.carookee.com/
Ich freue mich über jeden persönlichen Kontakt.

Monopolgegner

  • Interne-User
  • Full Member
  • *
  • Beiträge: 236
    • Profil anzeigen
Re: Fortschritt gegen die Schornsteinfeger
« Antwort #2 am: 18.05.14, 14:09 »
Eine Berufsgruppe, die anscheinend mehr Rechte hat als die Polizei ("dürfen" wie sie wollen das GG aushebeln), verschafft sich Zutritt zur Wohnung ohne Gerichtsbeschluss,- kann es nur in einer Bananenrepublik geben.

Andere Länder lachen sich schlapp über uns. Anscheinend sitzen wir Deutsche auf einem Pulverfass, welches sich "Brennbare Kaminschlote" und "zu überprüfende Heizungsanlagen" nennt. Da ist der Atomschrott ja nur Pillepalle.

Peinlich sage ich da nur!

Dazu kommt das Selbstverherrlichte Russfu***emonopol das sich aufspielt, mithilfe der Politik, als Herrgott. Weiterhin werden bei den Schnüffelarbeiten, welche sich FEUERSTÄTTENSCHAU nennt, eifrig Daten über Bürger/ Zwangskunden gesamelt. Nur,- was geschieht mit den Daten?

ABER,- da hab ich was in der Mache. Mehr wird nicht erwähnt, wegen des Ahaeffektes ;).

Nochmal ein Beitrag zur Feuerstättenschau: eine Feuerstättenschau gibt es im Schornsteinfegerhandwerksgesetz und ansonsten in anderen Gesetzen nicht. Eine Feuerstätte ist eine Stätte, bei der durch Verbrennung Wärme erzeugt wird. Demzufolge darf der bBSF nur die eigentliche Feuerstätte (also die Heizungsanlage) anschauen. Schaut er auch nach Verbindungsstück und Kaminrohr, nennt sich das - KLEINFEUERUNGSANLAGENSCHAU -. Dies wurde mir sogar vom zuständigen Ministerium bestätigt.

Man sieht also,- das zum Einen das Gesetz und zum Anderen die Russfu***elobby eher als Kleingeisterhaft zu bezeichnen sind.

Und wenn die Russfu***es sich nun auch noch als Ofenbauer und Ofeninstallatuer bezeichnen und dies sogar ausüben, kann so einiges passieren:

siehe hier: www.youtube.com/watch?v=q7JP4hHD3pw

Und sowas bezeichnet sich selbst als Fachmann im Bereich Fegen, Umwelt etc.! ich sage da her: Taugenichts!
« Letzte Änderung: 18.05.14, 14:15 von Monopolgegner »
Wegen der eingeführten Zensur des Admins in diesem Forum und dadurch Streichungen von Beiträgen, beteilige ICH mich hier an nichts mehr. Wie Viele andere ebenfalls. Ich und viele andere auch aus diesem Forum bin/ sind im Forum: http://www.carookee.com/forum/sfr-reform