Autor Thema: Preisangabenverordnung vs. KÜO  (Gelesen 3622 mal)

Petrus

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Preisangabenverordnung vs. KÜO
« am: 17.08.15, 15:43 »
Liebe Leser, danke für die vielen Erfahrungen und Berichte und Ratschläge, die ich von euch in diesem Forum lesen durfte.
Was haltet ihr eigentlich von einem Volksbegehren gegen dieses vom Staat aus niedrigen Beweggründen (Realrecht des Kaminkehrers kosten den Staat) geschützte Gewerbe des Schornsteinfegers. Die Frechheiten, die dieses Schornsteinfegergewerbe am grundgesetzlich geschützten Eigentum tagtäglich verbricht, haben die rote Linie bereits mehrfach überschritten.
Ferner möchte ich das Nachdenken anregen, ob die KÜO, die den Arbeitspreis mit 1,05 Euro/AW festlegt durch die Formulierung zuzüglich Mehrwertsteuer gegen die Preisangabenverordnung verstößt, die die Aufgabe hat, den Endverbraucher über die Preise Klarheit zu vermitteln.
Zudem erwartet unser lieber Gesetzgeber, dass der zur Nutzung des Kaminkehrergewerbes verpflichtete Hauseigentümer diesen gesetzlich immer noch geschützten Beruf Hilfskräfte bei der Feuerstättenschau ohne Vorwarnung zur Seite stellen muss.
Weiterhin lässt unser lieber Staat den Hauseigentümer im Stich, wenn es um die Unfallgefahren im Heim geht. So lässt er den Bürger nahezu keine Wahl bei den Besuchsterminen (wenig gesetzliche Regelungen) und fordert aber die Übernahme sämtlicher Kosten für die Herstellung der Gesundheit des Kehrers, falls dieser bei der Ausübung seiner Tätigkeit verunfallt. Dass der Eigentümer auch bei der Beauftragung eines ordentlichen Handwerksbetriebes für eventuelle Unfälle haftet, ist sicherlich neu. Der Wahrheitsgehalt kann aber jederzeit bei einer der 36 Berufsgenossenschaften in Deutschland erfragt werden). Jede Berufsgenossenschaft ist gesetzlich verpflichtet in ihrer Verwaltung eine Regreßabteilung zu beherbergen, die die Kosten für die Genesung eintreibt. Dies alles ist gerade bei alten Menschen, die ihr Leben der Arbeit gewidmet haben und sich dabei ein Heim geschaffen haben, meistens aber keinerlei Ahnung vom herrschenden Recht haben, sehr gemein und hinterhältig.

Hinzu kommt, dass gerade alte Leute in Beweisnot geraten, wenn der (ohne Führungszeugnis) in die Heime entsandte Kehrer ihnen was klaut oder einen Schaden anrichtet.


Kaldemeier

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #1 am: 28.10.15, 21:04 »
Hallo Petrus,

wenn man sich mit der ganzen Materie, wie sie anscheinend auch, befasst, dann müsste es einem normalerweise schon schwindlig werden was da alles abläuft.

Ob ein Volksbegehren der richtige Weg wäre, weiss ich nicht, ich glaube der Karren steckt so im Dreck, da müsste man schon härter rangehen. Schönen Abend noch aus Bayern.

Ell

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #2 am: 28.10.15, 22:07 »
Hallo Petrus


"Die Frechheiten, die dieses Schornsteinfegergewerbe am grundgesetzlich geschützten Eigentum tagtäglich
verbricht, haben die rote Linie bereits mehrfach überschritten."

Sorry, aber dies dient lediglich Ihrer Sicherheit! Ob es nun der Schornsteinbrand ist, oder eine CO-Vergiftung sei dahingestellt.


"Weiterhin lässt unser lieber Staat den Hauseigentümer im Stich, wenn es um die Unfallgefahren im Heim geht. So lässt er den Bürger nahezu keine Wahl bei den Besuchsterminen (wenig gesetzliche Regelungen) und fordert aber die Übernahme sämtlicher Kosten für die Herstellung der Gesundheit des Kehrers, falls dieser bei der Ausübung seiner Tätigkeit verunfallt. Dass der Eigentümer auch bei der Beauftragung eines ordentlichen Handwerksbetriebes für eventuelle Unfälle haftet, ist sicherlich neu. Der Wahrheitsgehalt kann aber jederzeit bei einer der 36 Berufsgenossenschaften in Deutschland erfragt werden)."

Kein Problem. Bauen sie die Laufanlagen ab. Dann kommt ein Trupp Gerüstbauer zu Ihnen, der alles bis zum Schornstein einrüstet um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Das macht dann Anfahrt, Aufbau, Abbau der Gerüstbauer (inklusive Verankerungen in Ihrer Außenfassade) plus Kosten der Kehrung durch den Schornsteinfeger (macht bei uns 3€ für 10m). Es geht immernoch um die Sicherheit vor Rußbrand Ihres Kamins (einmal erlebt, muss man nicht haben)!


"Hinzu kommt, dass gerade alte Leute in Beweisnot geraten, wenn der (ohne Führungszeugnis) in die Heime entsandte Kehrer ihnen was klaut oder einen Schaden anrichtet."

Welcher Klempner, der für die sichere Versorgung Ihrer Wohnung mit Wärme und Wasser zuständig ist, hat denn ein Führungszeugnis? Welcher Automechaniker, der für die Sicherheit Ihres Fahrzeuges verantwortlich ist, hat ein Führungszeugnis? Welcher Elektriker, der für die Sicherheit Ihrer elektrischen Anlagen zuständig ist, hat denn ein Führungszeugnis?
Meine Ausdrucksweise tut mir leid, aber das ist eine dämliche Aussage.


Kaldemeier

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #3 am: 29.10.15, 08:16 »
Hallo Ell,

wo liegt ihr Kehrbezirk ?

SU

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #4 am: 29.10.15, 11:22 »
Ell

Sorry, aber dies dient lediglich Ihrer Sicherheit! Ob es nun der Schornsteinbrand ist, oder eine CO-Vergiftung sei dahingestellt.

Der Schornsteinbrand entsteht nur wenn Ihre Eure Arbeit schlampig macht, gegen die CO-Vergiftung helfen Sensoren mehr als Eure Dienstleistung.

Laufanlagen..
Was macht Ihr auf dem Dach, die DIN 18160 sagt was anderes.
Der Schornstein kann von unten gut geprüft werden, das Reinigen mit der Haspel ist auch kein Problem.

SU

Kaldemeier

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #5 am: 29.10.15, 15:35 »
Ell,

die Vergleiche die Sie in Ihrem Schreiben anstellen in Puncto Handwerker und Führungszeugnis, die hinken dann doch sehr.

Es ist doch wohl ein Unterschied ob ich mir einen z.B. Elektriker ins Haus hole weil ich ihn brauche, oder ob ein Kaminkehrer von selbst kommt den ich nicht brauche und wenn ich den nicht hereinlasse organisiert er das Türeintreten.

Ich hab einmal bei einem Nachbarn einen Kaminbrand gesehen, drei Tage nachdem der Feger da war. Da sind dann die Flammen meterhoch oben raus, die Feuerwehr hat den dann kontrolliert und abbrennen lassen. Vom Feger war nichts zu sehen.

Und nun zur CO Vergiftung. Der Kaminkehrer kehrt den Kamin. Das Verbindungsstück vom Ofen zum Kamin ist ihm egal und genau dort ist der Russ gestaut. Dort muss man selbst reinigen wenn man obiger Vergiftung entkommen will. Klar dabei wird man ja auch dreckig.

Ich hab meinen Kaminofen abgebaut aus dem Grund diesen Personenkreis nur noch alle zwei Jahre ( Gasheizung) im Haus zu haben und nicht zweimal in einem Jahr.
Natürlich sind auch die zwei Jahre noch zu viel, denn gebraucht wird der Kaminkehrer m.E. wie ein Heizer auf einer E-Lok. Schönen Tag noch.




Ell

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Re: Preisangabenverordnung vs. KÜO
« Antwort #6 am: 29.10.15, 22:34 »
Hallo SU.

Das ihr bev. BSFM bzw. dessen Gesellen ihre Arbeiten nicht richtig machen, tut mir leid. Dies gibt Ihnen natürlich das Recht, sich an die entsprechenden Behörden zu beschweren (ZIV,HWK,etc). Da seh ich auch keinen Grund zu diskutieren. Aber gleich alle über einen Kamm scheren, möchte ich nicht akzeptieren.

CO Warnmelder sind keine Alternative zur Überprüfung. Sie dienen lediglich der Unterstützung in Ausnahmesituationen. Sprechen diese (je nach Einbaulage) an, kann es bereits zu gesundheitsgefährdeten Konzentrationen gekommen sein. Ebenso zeigen bei der Messung erhöhte CO Werte bereits anfangende Verbrennungsstörungen der Anlage. Damit dient die Prüfung nicht nur der Abwehr von Gesundheitsgefahren, sondern auch der Sicherstellung ordnungsgemäßen Betriebes der Feuerungsanlage.
Jetzt kann wieder gesagt werden, der Klempner macht doch auch die Messung... Das ist richtig. Er ist nur nicht verpflichtet, seine Messgeräte prüfen zu lassen. Unsere müssen jedes halbe Jahr zur Prüfung.
Sehen sie den Klempner als Automechaniker, welcher ihr Auto repariert und überprüft (er kann dies tun wenner oder sie es wollen) und den Schornsteinfeger als TÜV-Arbeiter, der ihr Auto ebenfalls überprüft, dieses aber für den Straßenverkehr freigibt (zu ihm müssen sie für ihre Plakette). Was anderes ist es im Grunde nicht.

Die DIN 18160 behandelt Abgasanlagen. Nicht zu verwechseln mit Rauchgasanlagen. Abgasanlagen können durch die Revi-Öffnungen auf Verschmutzung, Verrutschen, Auseinandergleiten, etc. geprüft werden. Sie werden auch, wenn nötig, gehaspelt. Da es sich dabei aber um Gas-, bzw. Ölabgasanlagen handelt, ist eine Reinigung selten nötig (außer der Ölbrenner rußt extrem, was wiederum durch die Messung meist erst erkannt wird - siehe oben: Wartung kann, muss aber nicht gemacht werden. Prüfung durch den SF muss gemacht werden). Dennoch müssen die Abgasanlagen vom Dach, hinter Verkleidung bis zur Sohle bei der FSS begutachtet werden, u.a. auf Lockerung, Dichtheit und Beschaffenheit, da man dies nicht durch spiegeln durch die Revi-Öffnung erkennen kann.


Hallo Kaldemeier.

Ich habe keinen Kehrbezirk. Ich bin freiberuflich tätig.

Der bev. BSFM kommt nur noch zur Feuerstättenschau, weil er vom Gesetz her dazu verpflichtet ist. Messungen und Kehrungen sind vom Hausbesitzer frei wählbar, wer diese macht. Dies können auch Handwerksbetriebe sein, welche die Berechtigung dazu haben und die damit beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und bei der Handwerkskammer registriert sind. Aber der Hausbesitzer ist dazu verpflichtet, diese im angegebenen Zeitraum des FS-Bescheids durchführen zu lassen und den Bescheid darüber dem bev. BSFM zu übergeben. Dieser führt das Kehrbuch, in dem alle Feuerstätten des Bezirks und deren Überprüfung dokumentiert sind und zur Kontrolle durch anderweitige Behörden zur Verfügung stehen. Gehen sie dieser Pflicht nicht nach, ist es die zuständige Behörde, welche sich dann einschaltet (§25 und 26 Schfghwg). Diese beauftragt den bev. BSFM mitsamt Ordnungsdienst etc bei ihnen zu klingeln.

Das mit ihrem Nachbarn kann ich nicht nachvollziehen. Wenn gekehrt wurde (was meist der Geselle macht) kann kein Schornsteinbrand entstehen. Da spielen aber viele Faktoren eine Rolle.
Wurde auch gekehrt? Wurde überhaupt geprüft? Wurde der Ruß entfernt? Wurde gespiegelt auf freien Querschnitt das der Schacht nicht schon zu war? Wurde Feuerstättenschau gemacht und dieser Schornstein als aktiv gezeichnet oder wurde er als ungenutzt eingetragen? Warum war der Feger da (zur Kehrung, Messung, FSS)? War es ein "schwarzer" Schornstein?
Wenn die Feuerwehr vor Ort war wegen einem Schornsteinbrand, war auch der bev. BSFM vor Ort, da er die örtlichen Begebenheiten kennt und dies seiner beruflichen Pflicht entspricht. Da ein Schornsteinbrand nicht gelöscht werden kann, muss dieser ausbrennen. Dabei kann sich der Ruß soweit aufquellen, das er den Zug verstopft. Dies wird durch den SSF noch während des Brandes ausgekehrt, damit es nicht dazu kommt. Also sollte er immer mit dabei sein.

Das Verbindungsstück zum Kamin ist in der Tat nicht Sache des SSF. Diese Pflicht obliegt dem Betreiber des Kamins. Festgelegt in der KÜO §1 Absatz 3.3. Das hat nichts mit dreckigmachen zu tun. Ist halt einfach vom Gesetz so festgelegt. Der Ofenbauer bzw Heizungsbauer hat dies übrigens in seiner Wartung mit drin. Bei einem kleinen Kamin ist das natürlich was anderes, der unterliegt ja keiner Wartung in dem Sinne, außer der Überprüfung in der FSS. Wenn mich die Betreiber darum bitten, reinige ich mit. Der eine Meter mit seinen 30ct machts auch nicht dicke. Aber sie sind halt weder Kehr-, noch Prüfpflichtig von seitens des SSF (vllt auch Grund des Schornsteinbrandes des Nachbarn).
Zu ihrer Gastherme noch ein Wort: Suchen sie sich einen Handwerksbetrieb mit Zulassung (wie oben beschrieben), dann kommt der "Feger" nur noch alle 3,5 Jahre  ;)


Schade das man als SSF ständig als Buh-Mann hingestellt wird. Sicher gibt es schwarze Schafe. Die gibt es überall. Aber wenn man vieles hier liest, muss ja anscheinend einiges vorgefallen sein. Wirklich schade. Meine Mentalität ist eigentlich ein gutes Auskommen mit den Hausbesitzern zu erreichen. Man kann über alles reden und in vielen Dingen finden sich auch Lösungen. Man kann Kompromisse finden, dies geht aber nicht immer überall. Wenn etwas passiert, für das wir vom Gesetz her verpflichtet sind zu verhindern, wandern wir in den Knast. Das würden sicher sie an unserer stelle genauso verhindern wollen wie wir. Wir gehen unseren Job nach, wie jeder andere auch.